RESUME

 

"Das eine Auge des Fotografen schaut weit geöffnet in den Sucher, das andere geschlossene, in die eigene Seele.” Dieses Zitat von Henri Cartier-Bresson war für den Kunstpädagogen und Fotokünstler Franz Hümpfner stets Motto seiner fotografischen Arbeit.

Dabei sucht er mit seiner Fotografie nicht nur das eigene Seelenleben, sondern auch die Seele und den Bewusstheitszustand der Gesellschaft und der Welt zu ergründen. Fotografie war und ist für den experimentierfreudigen Künstler nicht nur Abbild der Welt. Stets versucht er mit seinen Bildern die Strukturen und die Wirklichkeit hinter der sichtbaren Welt zu ergründen und dem Betrachter zu vermitteln. Die Kamera ist für ihn Werkzeug für sein künstlerisches Schaffen, so wie ein Maler Pinsel und Farbe für sein Schaffen benutzt.

Ob er nun Blumen oder Bäume fotografiert, immer gestaltet er die vorgefundenen Gegenstände und Formen nach ästhetischen Regeln und schafft somit eine neue bildnerische Wirklichkeit. “Kunst erschließt uns neue Bewusstseinsebenen und bereichert unser Leben”, meint Franz Hümpfner. “Wir leben in unseren Tagen in einer Welt, die wir hauptsächlich visuell erfahren. Als Folge der Erfindung der Fotografie und des Films am Ende des 19. Jahrhunderts werden wir tagtäglich mit Tausenden von Bildern, häufig im Wechsel von nur wenigen Sekunden bombardiert. Wir versuchen die Welt mit Fotoabbildungen in Besitz zu nehmen, die Zeit fest- und anzuhalten. Leider werden wir durch die Überschwemmung mit den vielen Bildreizen verwirrt zurückgelassen. Zum Wesentlichen des Lebens dringen wir aber nur in der Stille und Konzentration vor. Kunst schafft diesen Raum der Konzentration. Sie ist konzentrierte Energie, die auf den Betrachter zurückwirkt. Sie verschafft uns neue Erfahrungen und Einsichten, kann Orientierung geben, aber auch verunsichern. Immer macht sie unser Leben reicher. Im Bereich der Fotografie versucht die Kameraindustrie den Amateur jeden Tag aufs Neue einzureden, dass die Bildschärfe und die Megapixelzahl des Fotoapparates Voraussetzung für gute Fotografie seien. Damit schafft sie aber nur Technikfetischisten, die nicht mehr an Inhalten und Gestaltung interessiert sind. Der Schärfewahn in der Fotografie unserer Zeit suggeriert und täuscht uns vor, dass wir mit Hilfe der Fotografie die Welt in voller Schärfe erfassen und interpretieren können.”

Franz Hümpfner arbeitet ab und zu immer noch mit dem analogen Film, experimentiert mit der Unschärfe der Lochkamerafotografie, verschließt sich aber nicht den neuen digitalen Techniken. “Ein Foto braucht die Haptik des Papiers”, meint Franz Hümpfner, “die flüchtige Darstellung am Bildschirm kann nicht die sinnliche Qualität eines Fotos transportieren.”

In neuester Zeit gestaltet Franz Hümpfner auch Zen- oder Wabisabi-Fotografie, die durch ihre Einfachheit Themen wie die Schönheit, Vergänglichkeit und Unvollkommenheit alles Seienden besonders gut ausdrücken kann. Gerne erinnert sich der sich jetzt im Ruhestand befindliche ehemalige Lehrer an seine Workshops zur künstlerischen Fotografie in der Kunststation Kleinsassen in den 90er Jahren und seine umfangreiche Fotoarbeit “Begegnungen mit der Kunst” über die DOKUMENTA 9, die sich jetzt als Dauerleihgabe im Dokumenta-Archiv in Kassel befindet.

In unseren Tagen bekam die Fotografie auch die Anerkennung als Kunstform. Dennoch erinnert Franz Hümpfner an das Zitat des berühmten Fotografen Henri Cartier-Bresson (1908-2004): „Die Fotografie ist ein Handwerk. Viele wollen daraus eine Kunst machen, aber wir sind einfach Handwerker, die ihre Arbeit gut machen müssen.“ Und verschmitzt zitiert er gerne noch Charles Baudelaire (1821-1867): „Die Fotografie ist der Todfeind der Malerei, sie ist die Zuflucht aller gescheiterten Maler, der Unbegabten und Faulen.“

 

 

"One eye of the photographer looks wide open into the viewfinder, the other closed, into your  soul." This quote by Henri Cartier-Bresson was always the motto of his photographic work for the Art educator and photo artist Franz Hümpfner.

In doing so, he seeks not only to explore his own soul life with his photography but also to fathom the soul and the state of consciousness of society and the world. Photography was and is never a mere copy of the world for the experimental artist. He always tries to fathom the structures and the reality behind the visible world with his pictures and to convey them to the viewer. For him, a camera is a tool for his artistic work, just as a painter uses brushes and paint for his work.

Whether he is photographing flowers or trees, he always designs the objects and shapes according to aesthetic rules and thus creates a new visual reality. "Art opens up new levels of consciousness and enriches our lives", says Franz Hümpfner. "In our day, we live in a world that we experience primarily visually. As a result of the invention of photography and film at the end of the 19th century, we are bombarded daily with thousands of images, often alternating only a few seconds. We try to take possession of the world with photo images, to fix the time and to stop. Unfortunately, we are left confused by the flood with the many image stimuli. However, for the essence of life, we only penetrate in silence and concentration. Art creates this space of concentration. It is a concentrated energy that reverts to the viewer. It provides us with new experiences and insights, can give orientation, but it can also unsettle you. She always makes our life richer. In the field of photography, the camera industry tries to convince the amateur every day again that the image sharpness and the megapixel number of the camera are a prerequisite for good photography. However, this only creates technical fetishists who are no longer interested in content and design. The craze in the photography of our time suggests and deceives us that with the help of photography we can grasp and interpret the world in full sharpness."

Franz Hümpfner occasionally still works with the analogue film, experimenting with the blurring of the hole camera photography, but does not close to the new digital techniques. "A photo needs the feel of the paper," says Franz Hümpfner, "the fleeting display on the screen can not convey the sensuous quality of a photograph."

In recent times, Franz Hümpfner also designed Zen or Wabi-sabi photography, which through its simplicity can best specific themes such as the beauty, transience and imperfection of all beings. The now retired former teacher likes to remember his workshops on artistic photography in the art station Kleinsassen in the 90s and his extensive photographic work "Encounters with Art" on the DOCUMENTA 9, which is now on permanent loan in the DOCUMENTA  ARCHIVE in Kassel.

In our days, photography also received recognition as an art form. Nevertheless, Franz Hümpfner recalls the quotation of the famous photographer Henri Cartier-Bresson (1908-2004): "Photography is a craft. Many want to make art out of it, but we are simply craftsmen who have to do their job well. "And he quotes mischievously like Charles Baudelaire (1821-1867):" Photography is the mortal enemy of painting, it is the refuge of all failed Painter, the untalented and lazy. "